An unserer Montessori-Schule ist Lernen nicht auf das Klassenzimmer beschränkt. Ein besonders lebendiger Ausdruck dieses Gedankens ist das sogenannte „Going Out“. Dabei verlassen Schülerinnen und Schüler bewusst den schulischen Raum, um eigenständig geplante Lernorte zu erkunden – und dabei Verantwortung für ihr eigenes Lernen zu übernehmen.
Selbstständig planen, eigenständig lernen
Beim Going Out organisieren die Kinder ihren Ausflug selbst: Sie wählen ein Ziel, planen die An- und Abreise selbstständig und überlegen sich, was sie vor Ort herausfinden oder erleben möchten. Die Planung wird von einem einzelnen Kind übernommen oder von kleinen Gruppen.
Ein Schüler beschreibt es so:
„Ein Kind plant ganz alleine eine Aktivität, zum Beispiel einen Museumsbesuch.“
Auch organisatorisch gibt es einen klaren Rahmen: Pro Kind stehen etwa 10 Euro zur Verfügung und dank des Schultickets im RMV-Gebiet sind Bahnfahrten kostenlos.
Die Rolle der Lernbegleiter:innen
Die Erwachsenen bleiben bewusst im Hintergrund. Sie begleiten die Gruppe, greifen aber nur ein, wenn es wirklich nötig ist.
„Die laufen einfach nur mit wie ein Schatten. Sie greifen nur ein, wenn die Kinder zum Beispiel in den falschen Zug einsteigen.“
Diese Haltung stärkt das Vertrauen in die Selbstständigkeit der Kinder – ein zentrales Prinzip der Montessori-Pädagogik.
Lernen an echten Orten
Die Ziele der Going Outs sind vielfältig: Museen, kulturelle Orte, manchmal auch ein Kinobesuch mit thematischem Bezug. Wichtig ist immer, dass ein Lernaspekt im Vordergrund steht.
Ein Beispiel: Der Escape Room
Ein besonders eindrückliches Erlebnis schildert ein Schüler von seinem letzten Going Out – einem Besuch in einem Escape Room in Frankfurt am Main:
„Wir sind mit dem Zug nach Frankfurt gefahren, dann sind wir gelaufen. Vor Ort wurden wir in zwei Gruppen eingeteilt und haben dann diesen Escape Room gelöst.“
In kleinen Teams mussten die Schülerinnen und Schüler Rätsel knacken, Hinweise kombinieren und gemeinsam Lösungen finden:
„Wir mussten Landkartenstücke finden mit verschiedenen Codes und Botschaften… dann konnten wir verschiedene Sachen öffnen… und so Schritt für Schritt weiterkommen.“
Dabei wird deutlich, welche Kompetenzen gefragt sind:
„Wichtig ist Teamarbeit und dass man gut knobeln kann.“
Lernen, das Spaß macht
Was bleibt von so einem Tag? Vor allem Begeisterung:
„Es war eine coole Erfahrung, da zu sein, und es hat viel Spaß gemacht.“
Going Out ist mehr als ein Ausflug. Kinder übernehmen Verantwortung, treffen Entscheidungen und lernen in realen Kontexten. Dabei entstehen Erfahrungen, die weit über das hinausgehen, was im Klassenzimmer möglich wäre.

