Gesprächskreise in der Sekundaria: Raum für Fragen, Gefühle und Grenzen

Zwischen neun und dreizehn Jahren verändert sich vieles.

Freundschaften werden wichtiger. Der eigene Körper verändert sich. Gefühle werden manchmal intensiver und Fragen tauchen auf, über die man nicht immer mit Erwachsenen sprechen möchte.

Manches beschäftigt Kinder nur für einen Moment. Anderes begleitet sie über längere Zeit.

In der Sekundaria erleben wir jeden Tag, wie Kinder in dieser Lebensphase ihren eigenen Standpunkt entwickeln, sich ausprobieren und ihren Platz in der Gemeinschaft suchen.

Dafür brauchen sie Orientierung. Vor allem aber brauchen sie Räume, in denen sie Fragen stellen dürfen.

Genau dafür gibt es die Gesprächskreise.

Ein geschützter Raum für wichtige Themen

Die Gesprächskreise finden getrennt für Mädchen und Jungen statt und werden von Lehrkräften begleitet.

Es sind geschützte Räume, in denen Kinder Fragen stellen dürfen, die sie in diesem Alter beschäftigen. Ohne Druck. Ohne Ausgelachtwerden. Und mit der Sicherheit, dass persönliche Inhalte vertraulich behandelt werden.

Welche Themen besprochen werden, ergibt sich oft aus den Fragen der Kinder selbst.

Ein wichtiger Bestandteil der Gesprächskreise ist auch die altersgerechte Sexualerziehung. Gemeinsam sprechen die Kinder beispielsweise über die körperlichen Veränderungen in der Pubertät, den Aufbau der Geschlechtsorgane, Menstruation, Verliebtsein, sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität.

Genauso geht es um Gefühle, Freundschaften, Konflikte, Grenzen und den respektvollen Umgang miteinander. Auch Fragen zu sozialen Medien, Rollenbildern oder Unsicherheiten im Alltag finden hier ihren Platz.

Die Kinder erleben dabei: Ihre Fragen sind wichtig und dürfen gestellt werden.

Wie diese Themen ganz konkret aufgegriffen werden, sieht je nach Gruppe und Fragestellungen unterschiedlich aus.

Ein Gesprächskreis der Mädchen beschäftigte sich beispielsweise mit dem Thema:

„Mein Körper. Meine Grenzen.“

Mithilfe von menschlichen Silhouetten aus Papier setzten sich die Kinder damit auseinander, wie unterschiedlich Nähe und Berührungen empfunden werden können – je nach Situation und Beziehung.

Dabei wurde schnell deutlich:

Was sich für eine Person gut anfühlt, kann für jemand anderen unangenehm sein. Und manchmal fühlt es sich sogar von Tag zu Tag unterschiedlich an.

In kleinen Übungen konnten die Mädchen außerdem ausprobieren, wie es sich anfühlt, wenn jemand ihnen zu nah kommt – und wie man das eigene Gefühl wahrnehmen und ausdrücken kann.

Dabei wird für viele Kinder etwas Wichtiges spürbar:

Ich darf Grenzen haben.
Und ich darf sie aussprechen.

Gefühle verstehen lernen

Auch Gefühle spielen in den Gesprächskreisen eine wichtige Rolle.

Wie fühlt sich Angst an? Wie reagiert unser Körper auf Stress oder Überforderung? Und was hilft dabei, wieder zur Ruhe zu kommen?

Anhand von Bildern und Alltagssituationen sprechen die Kinder darüber, wie unterschiedlich Menschen reagieren können. Manche gehen eher „in den Sturm“, andere ziehen sich zurück oder erstarren.

Dabei geht es nicht darum, Gefühle zu bewerten oder wegzuschieben. Vielmehr lernen die Kinder, sich selbst besser kennenzulernen und wahrzunehmen, was ihnen in schwierigen Situationen helfen kann.

Gemeinsam sammeln sie Ideen und Erfahrungen: Bewegung, Kreativität, Tiere, frische Luft, Gespräche oder Zeit mit vertrauten Menschen.

Ein wichtiger Teil des Schutzkonzepts

Die Gesprächskreise sind ein wichtiger Teil des Schutzkonzepts unserer Schule.

Kinder sollen erleben:

  • Meine Gefühle sind wichtig.
  • Ich darf Grenzen setzen.
  • Ich darf Fragen stellen.
  • Ich darf Hilfe holen.

Gleichzeitig lernen sie, die Grenzen anderer wahrzunehmen und respektvoll miteinander umzugehen.

Auch Eltern können sich bei Fragen oder Unsicherheiten an die Lernbegleitungen wenden.

Kinder in einer wichtigen Lebensphase begleiten

Die Jahre in der Sekundaria sind eine besondere Zeit.

Kinder werden selbstständiger, entwickeln eigene Sichtweisen und setzen sich mit Fragen auseinander, auf die es oft keine einfachen Antworten gibt.

Die Gesprächskreise möchten sie auf diesem Weg begleiten.

Mit Zeit, Aufmerksamkeit und einem geschützten Rahmen, in dem Fragen gestellt, Gedanken geteilt und Erfahrungen eingeordnet werden können.

Dazu gehört auch, altersgerechte Antworten auf Fragen rund um Körper, Gefühle, Beziehungen und Sexualität zu geben – offen, wertschätzend und ohne Tabus.

Denn Kinder, die lernen, ihre Gefühle wahrzunehmen, Grenzen zu respektieren und für sich selbst einzustehen, gewinnen etwas, das sie weit über die Schulzeit hinaus begleitet.