Umgang mit unterschiedlichen Begabungen in der Montessoripädagogik

„Der Weg auf dem die Schwachen sich stärken, ist der gleiche wie der, auf dem die Starken sich vervollkommnen.“
(M.Montessori, Schule des Kindes S.166)

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Oft wird man als Montessori Lehrkraft gefragt, wie man all den unterschiedlichen Bedürfnissen der Kinder gerecht werden kann.
Meistens antworte ich dann mit einem Zitat von Montessori und erkläre, dass die Montessoripädagogik den Kindern, die natürlich unterschiedliche Begabungen mitbringen, ein individuelles Lernen in einer angstfreien Lernumgebung ermöglicht und dabei auch jedes Kind individuell fördert und fordert. Die vielfältigen und zahlreichen Möglichkeiten, die eine Freiarbeit bietet, müssen hierfür genutzt werden und das Kind muss sich als eigener Lehrmeister erkennen. Die Lehrkräfte treten in den Hintergrund und begleiten die Kinder auf ihrem Lernweg. Hierzu gehört auch, dass die Kinder, ihrem Autonomiebedürfnis entsprechend, die eigene Leistungsfähigkeit und deren Grenzen erfahren können.

IMG_7638Montessorimaterialien bieten den Kindern während der Freiarbeit die Möglichkeit, durch das handlungsorientierte Erschließen der Lerninhalte, in altersheterogenen zusammen zu arbeiten. Normalbegabte Kinder und hochbegabte Kinder werden durch die Art des Lernens gleichermaßen angesprochen. Jedoch kommt dem Material bei hochbegabten Kindern eine geringere Bedeutung zu, da diese meist eine hohe Auffassungsgaben und Abstraktionsfähigkeit besitzen. Hier muss die Lehrkraft über das Materialangebot hinaus für ein Enrichment und Akzeleration sorgen, um der Unterforderung entgegen zu wirken. Alle Kinder machen die gleichen Entwicklungsschritte, jedoch machen hochbegabte Kinder diese Schritte zum Teil viel früher. Auch darauf muss sich eine Montessorilehrkraft einstellen und die Lernumgebung dementsprechend gestalten und das Kind angemessen begleiten. Ist ein hochbegabtes Kind unterfordert, wird sich das im Rahmen einer Freiarbeit deutlich äußern. Viele Hochbegabte fangen an massiv zu stören, zeigen deutliche Verstimmungen/Verhaltensauffälligkeiten und entwickeln sich im schlimmsten Fall zu einem Underachiever.
Die Freiarbeit bietet hier jedoch vielfältige Möglichkeiten, um dies zu vermeiden!

Zudem haben hochbegabte Kinder oft noch ein anderes zentrales Problem, denn sie stecken in dem Dilemma, dass sie nur schwer Anschluss an Gleichaltrige finden. Die Jahrgangsmischung in einer Montessoriklasse ermöglicht es den Kindern jedoch leichter, soziale Kontakte zu knüpfen und Gleichgesinnte zu finden.

IMG_7396An Montessorischulen werden besonders begabte Kindern ebenso in ihren Bedürfnissen wahrgenommen und gefördert, wie normal begabte Kinder. Um das eigene Potential entfalten und nutzen zu können, müssen sich die Kinder angenommen und zugehörig fühlen, Selbstwirksamkeit erleben, Selbstbestimmung und Freiheit erfahren und die eigene Motivation ausleben können. (Grundbedürfnisse in der Schule- Osterheld 2010)
Da die Montessoripädagogik den kindlichen Bedürfnissen hier sehr entgegen kommt, ist die Montessorischule auch für hochbegabte Kinder ein idealer Lernort. Zudem ist im Rahmen einer Freiarbeit eine Hochbegabtenförderung möglich ohne das einzelne Kinder von der Gruppe isoliert zu werden müssen. Besonders der Bereich der Kosmischen Erziehung bietet unzählige Möglichkeiten besonders begabte Kinder zu fördern und zu fordern.

Alle Schüler profitieren gleichermaßen von Lehrkräften, die eine manipulative Lenkung vermeiden und statt dessen die Eigeninitiativen der Kinder fördern und unterstützen. Die wichtigste Tätigkeit einer Montessorilehrkraft ist demnach das Beobachten und die verständnisvolle Zuwendung. Die Persönlichkeit des Kindes wird stets geachtet und die kindlichen Bedürfnisse ernst genommen. Zum richtigen Zeitpunkt bietet die Lehrkraft neue Angebote an und richtet sich ganz nach dem Grundsatz der minimalen Hilfe, damit ein Kind selbst zum Denken angeregt wird und sich im problemlösenden Denken schult.

von Y. Herrmann – LB

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