Die Arbeit als Lernbegleiter

„Die Schule als Einrichtung der Wissensvermittlung zu betrachten, ist der eine Standpunkt, ein anderer besteht darin, die Schule als eine Vorbereitung für das Leben aufzufassen!“
(aus Festschrift: 75 Jahre Montessoripädagogik in Aachen, 2000)

Schule ist ein öffentlicher Raum und damit an äußerliche Rahmenbedingungen gebunden. Aber das heißt im Umkehrschluss nicht, dass alles gleich und langweilig sein muss. Im Gegenteil! Auch die gesetzlichen Vorgaben verändern sich zunehmend in eine Richtung, die offene Unterrichtskonzepte fördern, die Selbstständigkeit der Kinder und eine auf das Kind ausgerichtete Kompetenzorientierung in den Mittelpunkt stellen.
Der Weg, um die verbindlichen Ziele und Bildungsinhalte zu erreichen, ist damit weitgehend freigegeben und dies gilt insbesondere für reformpädagogisch arbeitende Schulen in freier Trägerschaft.

Die Arbeit an einer Montessori Schule ist dennoch etwas ganz besonderes und kann mit Worten alleine kaum ausgedrückt werden.
Die Rolle des Lehrers ist eine ganz andere. Den klassisch lehrenden Lehrer wird man hier kaum finden. In Montessori Schulen findet man Lernbegleiter, die die Kinder in ihren individuellen Bedürfnissen und Lernfortschritten begleiten. Lernbegleiter beraten die Kinder bei ihrer täglichen Freiarbeit, geben Hilfestellungen, Denkanstöße und führen Material da ein, wo es nötig ist. Um die Kinder optimal begleiten zu können, fällt den Beobachtungen eine besonders große und wichtige Rolle zu. Nur wer die Kinder beobachtet und ihre ganz individuellen Bedürfnisse erkennt, kann den Kindern auch zur Seite stehen, Lernwege begleiten und falls nötig-helfen den eigenen Weg zu finden.
Ein weitere wichtige und zentrale Aufgabe des Lernbegleiter ist die Vorbereitung der Lernumgebung. Der Lernbegleiter muss das gesamte Umfeld des Kindes so organisieren, dass offener Unterricht jederzeit möglich ist und die klassische Lehrtätigkeit zugunsten der Eigentätigkeit der Kinder zurücktritt.
Dies ist ein hoher Anspruch an Lernbegleiter, denn man muss viele Komponenten, auch die Erfüllung verbindlicher Inhalte, im Auge behalten und dennoch qualitativ guten offenen Unterricht unter gewissen Rahmenbedingungen gewährleisten.

Aber auch äußere Rahmenbedingungen lassen sich viel leichter erreichen, wenn den kindlichen Bedürfnissen, zum Beispiel nach Eigeninitiative, Rechnung getragen wird. Kinder wollen lernen und die Welt mit allen Sinnen erfahren und verstehen.

„Für Maria Montessori stehen Freiheit und Arbeit in einem unmittelbaren Zusammenhang. Arbeit wird dann nicht mehr als Druck empfunden, wenn sie unter den Bedingungen der Freiheit stattfindet. Das Bewusstsein der an Arbeit orientierte Freiheit vermittelt ein Gefühl des eigenen Wertes und der eigenen Würde. Damit ist nicht Beliebigkeit gemeint, sondern Freiheit der Arbeit muss bestimmten Regeln folgen und klar definierte Grenzen haben.“
(Festschrift: 75 Jahre Montessori-Pädagogik in Aachen, 2000)

Wenn der Lernbegleiter die Lernumgebung (und hier ist mehr als die bloße Anordnung der Materialien gemeint) so vorbereitet, dass ein entspanntes und druckfreies Lernen möglich ist, Freiheiten und Grenzen klar definiert sind, kindlichen Bedürfnissen und Wünschen Raum gegeben wird, so sind Kinder zu Höchstleistungen imstande. Sie werden zu kreativen Problemlösern, zu Autoren kleiner Romane, zu mathematischen Experten, zu Linguisten und Historikern…zum Baumeister ihres Selbst.

von Y. Herrmann – LB Sekundaria

 

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